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Pro Neue Typografie

Kurt Schwitters

1887 — 1948

Künstler Maler Dichter Raumkünstler Werbegrafiker und Typograph
Kurt Schwitters 1926 Kurt Schwitters — Wikimedia

Standpunkt in der Debatte

Kurt Schwitters wurde am 20. Juni 1887 in Hannover geboren und starb am 8. Januar 1948 in Kendal, England. Er war ein vielseitiger Künstler, der als Maler, Dichter, Werbegrafiker und Typograph arbeitete und unter dem Kennwort »Merz« ein dadaistisches Gesamtweltbild entwickelte.

Typografische Arbeit und Neue Typografie: Schwitters war nicht nur als bildender Künstler, sondern auch als Typograph und Werbegrafiker tätig. Seine typografische Arbeit war eng mit seiner Merz-Kunst verbunden, bei der er seit 1919 aus Zeitungsausschnitten, Reklame und Abfall Collagen erstellte. Diese Technik übertrug er auch auf seine typografischen Gestaltungen, wodurch er Text und Bild auf innovative Weise verband.

Rolle in der elementaren Typografie: Im Jahr 1928 initiierte Schwitters die Künstlervereinigung »die abstrakten hannover«, zu deren Gründungsmitgliedern Hans Nitzschke, Friedel Vordemberge-Gildewart, Karl Buchheister und Rudolf Jahns gehörten. Diese Gruppe stand für konstruktivistische und abstrakte Gestaltungsprinzipien, die auch die elementare Typografie prägten. Schwitters' Werk verband dadaistische Freiheit mit konstruktivistischer Ordnung, was ihn zu einer Brückenfigur zwischen diesen beiden Strömungen machte.

Künstlerische Publikationen: Schwitters produzierte aktiv künstlerische Zeitschriften, illustrierte Werke und Werbeanzeigen [web:4]. Seine typografischen Arbeiten zeichneten sich durch experimentelle Layouts, die Verwendung gefundener Textelemente und eine Ablehnung traditioneller hierarchischer Gestaltung aus. Um 1918 begann er, Straßenmüll direkt in seine Kunstwerke zu integrieren, was auch seine Herangehensweise an Typografie revolutionierte.

Emigration und spätes Werk: Von den Nationalsozialisten als »entartet« verfemt, emigrierte Schwitters im Januar 1937 nach Norwegen und 1940 nach England. Trotz der schwierigen Umstände im Exil setzte er seine künstlerische Arbeit fort und schuf bis zu seinem Tod 1948 weiterhin Werke, die Typografie, Collage und Malerei verbanden.


Texte im Archiv · 3 Einträge

1922 · De Stijl. Sgravenhage 5 (August 1922) K.I. Konstruktivistische Internationale schöpferische Arbeitsgemeinschaft Die Konstruktivistische Internationale (1922) fordert eine kollektiv organisierte, international vernetzte Gestaltungspraxis, die sich nicht an subjektivem Ausdruck, sondern an den realen Anforderungen des modernen Lebens orientiert. Gestaltung soll praktisch, logisch, materialbewusst und gesellschaftlich wirksam sein. Individuelle, gefühlsgetriebene Kunstproduktion gilt als überholt. Nur durch organisierte Zusammenarbeit kann eine neue, lebensverändernde Gestaltung entstehen. als editor 1923 Topographie der Typographie Lissitzky definiert Typografie als optische, räumliche und energetische Organisation von Inhalt: Buchstaben gestalten Begriffe, nicht bloß Worte; der Buchraum folgt den Spannungen des Gedankens und den Gesetzen typografischer Mechanik. Das gedruckte Buch wird als bioskopische, kontinuierliche Sehfolge begriffen und zugleich historisch überschritten — hin zu einer medial erweiterten »Elektrobibliothek«, in der Schrift-Gestaltung zur Konstruktion visueller Bedeutung wird. 1924 · Merz. Pelikan-Nummer. Hannover (1924) — 11 Thesen über Typographie Schwitters formuliert zehn programmatische Thesen zur Typografie als Kunstform: Gestaltung sei nicht Abbildung des Inhalts, sondern Ausdruck seiner Spannungen (unter Berufung auf Lissitzky). Er fordert Einfachheit, Klarheit und den Verzicht auf Ornament – die unpersönliche Drucktype sei der individuellen Künstlerschrift überlegen, die Fotografie der Zeichnung. Schwitters kritisiert die bisherige Reklamekunst als individualistisch und gestaltungsfremd und sieht in der konsequenten Typografie das überlegene Werbemittel. Der Leser schließe vom Eindruck der Reklame auf die Ware, nicht vom Text.

Daten & Fakten

Geboren
1887
Gestorben
1948
Public Domain
● Gemeinfrei seit 2019

Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Schwitters