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Pro Neue Typografie

El Lissitzky

1890 — 1941

Architekt Maler Typograf Grafiker Buchgestalter und Ausstellungsdesigner; Mitbegründer des Konstruktivismus
El Lissitzky 1924 El Lissitzky — Wikipedia

Standpunkt in der Debatte

El Lissitzky (Lazar Markowitsch Lissitzky) (1890-1941) war ein russisch-jüdischer Künstler, der die moderne Typografie und Grafikgestaltung des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägte. Nach der Oktoberrevolution 1917 wurde er Mitglied der Kulturabteilung NARKOMPROS in Moskau und widmete seine Kunst dem sozialen und künstlerischen Neubeginn.

Suprematismus und Konstruktivismus: 1919 wurde Lissitzky von Marc Chagall an die revolutionäre Volkskunstschule in Witebsk eingeladen, wo er Architektur und Grafik unterrichtete. Dort lernte er Kasimir Malewitsch kennen, den Begründer des Suprematismus, unter dessen Einfluss Lissitzky die figurative Kunst aufgab und sich der abstrakten geometrischen Formsprache zuwandte. Er wurde Mitbegründer der suprematistischen Kunstgruppe UNOVIS und entwickelte seine experimentelle Werkgruppe »Proun« (Projekt für die Behauptung des Neuen), die als Weiterführung des Suprematismus in die dritte Dimension verstanden werden kann.

Typografische Innovationen: Lissitzkys Beitrag zur Neuen Typografie war revolutionär. Seine Aktivität im Bereich der Typografie und des Fotomontage war extrem innovativ. Er verband geometrische Elemente mit politischem Symbolismus und schuf Propagandaplakate wie »Schlagt die Weißen mit dem roten Keil« (1919-20), die ikonisch für die konstruktivistische Gestaltung wurden. Seine typografischen Arbeiten zeichneten sich durch asymmetrische Kompositionen, dynamische Layouts und die Integration von Text als visuelles Element aus.

Internationale Vermittlerrolle: Von 1921 bis 1925 arbeitete Lissitzky in Deutschland und wurde zu einer Schlüsselfigur für den Austausch zwischen russischer und westeuropäischer Avantgarde. In Berlin gründete er mit Ilja Ehrenburg die kurzlebige Zeitschrift »Veshch/Gegenstand/Objet«, die zeitgenössische russische Kunst einem westeuropäischen Publikum präsentieren sollte. Er arbeitete eng mit Kurt Schwitters zusammen, insbesondere an der Ausgabe »Nasci« (Natur) der Zeitschrift »Merz«, und wurde Mitglied der niederländischen De Stijl-Gruppe. Gemeinsam mit Schwitters und Theo van Doesburg propagierte er die Idee einer internationalen künstlerischen Bewegung unter konstruktivistischen Richtlinien.

Spätwerk und Vermächtnis: Nach seiner Rückkehr nach Moskau 1925 gründete Lissitzky mehrere Zeitschriften und blieb eine innovative Kraft im Buch- und Ausstellungsdesign. Er gestaltete sowjetische Pavillons für internationale Ausstellungen und arbeitete mit Alexander Rodtschenko und anderen Avantgarde-Künstlern an der bemerkenswerten Propagandazeitschrift »USSR in Construction« (1930-41). Seine Innovationen in Typografie, Werbung und Ausstellungsgestaltung beeinflussten nachhaltig die moderne Grafik und das Bauhaus, wo László Moholy-Nagy seine Ideen in Westeuropa und den USA verbreitete. Lissitzky starb 1941 in Moskau an Tuberkulose.


Texte im Archiv · 4 Einträge

1922 · De Stijl. Sgravenhage 5 (August 1922) K.I. Konstruktivistische Internationale schöpferische Arbeitsgemeinschaft Die Konstruktivistische Internationale (1922) fordert eine kollektiv organisierte, international vernetzte Gestaltungspraxis, die sich nicht an subjektivem Ausdruck, sondern an den realen Anforderungen des modernen Lebens orientiert. Gestaltung soll praktisch, logisch, materialbewusst und gesellschaftlich wirksam sein. Individuelle, gefühlsgetriebene Kunstproduktion gilt als überholt. Nur durch organisierte Zusammenarbeit kann eine neue, lebensverändernde Gestaltung entstehen. 1923 Topographie der Typographie Lissitzky definiert Typografie als optische, räumliche und energetische Organisation von Inhalt: Buchstaben gestalten Begriffe, nicht bloß Worte; der Buchraum folgt den Spannungen des Gedankens und den Gesetzen typografischer Mechanik. Das gedruckte Buch wird als bioskopische, kontinuierliche Sehfolge begriffen und zugleich historisch überschritten — hin zu einer medial erweiterten »Elektrobibliothek«, in der Schrift-Gestaltung zur Konstruktion visueller Bedeutung wird. als mentioned 1924 · Merz. Pelikan-Nummer. Hannover (1924) — 11 Thesen über Typographie Schwitters formuliert zehn programmatische Thesen zur Typografie als Kunstform: Gestaltung sei nicht Abbildung des Inhalts, sondern Ausdruck seiner Spannungen (unter Berufung auf Lissitzky). Er fordert Einfachheit, Klarheit und den Verzicht auf Ornament – die unpersönliche Drucktype sei der individuellen Künstlerschrift überlegen, die Fotografie der Zeichnung. Schwitters kritisiert die bisherige Reklamekunst als individualistisch und gestaltungsfremd und sieht in der konsequenten Typografie das überlegene Werbemittel. Der Leser schließe vom Eindruck der Reklame auf die Ware, nicht vom Text. 1925 · Gutenberg-Festschrift. Mainz Typographische Tatsachen El Lissitzky argumentiert, dass Typographie nicht nur Mittel zur Übertragung von Text ist, sondern eine eigenständige visuelle Gestaltungskraft besitzt. In der modernen, rationalisierten Welt müsse Schrift klar, strukturiert und dynamisch sein. Die neue Typographie basiert auf einfachen geometrischen Elementen, industriellen Druckverfahren und reinen Farben. Sie soll aktiv wirken und die Funktion übernehmen, die früher mündliche Rede oder monumentale Kunst innehatten.

Daten & Fakten

Geboren
1890
Gestorben
1941
Public Domain
● Gemeinfrei seit 2012

Quellen

  • https://de.wikipedia.org/wiki/El_Lissitzky